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Spezialunterricht #1 für Meisterschüler von Großmeister Kang, Shin-Gyu

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Thema: Kang Center Repertoire für Dan-Träger | Übung . Ergänzung . Wiederholung

Datum: Sonntag, 01.03.2020 | 13:30 – 15:30 Uhr
Leitung: Großmeister Kang, Shin-Gyu

Ziele

  • Schärfung des Bewusstseins | Übung von Achtsamkeit
  • Meisterschüler (1.-3. Dan) und angehende Meisterschüler können den Stand Ihres Könnens reflektieren und auch abgleichen
  • Homogene Übungsgruppe mit erhöhtem Technikniveau
  • Überprüfung der Qualität und Kompatibilität der Techniken für die Gewährleistung einer hohen Unterrichtsqualität im Kang Center
  • Überprüfung der Qualität der Kang Center Family Mitglieder

Nachlese


Bericht zum Schwarz-Rot-Lehrgang

von Arnika B. | 2. Dan | Kiel

Am Sonntag, den 01.03.2020 fanden sich eine große Zahl an Schwarz- und Rotgurten und eine Handvoll Blaugurte aus Hamburg, Kiel und Berlin zum Lehrgang im Kang-Center Hamburg ein. Ziel des Lehrgangs war die – für die einen – Vermittlung, – für die anderen – Auffrischung von Trainingsinhalten, die für die höhergraduierten Schüler und Übungsleiter des Kang-Center ein Standardrepertoire darstellen und an denen jeder einzelne seine Technik immer weiter verbessern kann.

Begonnen wurde mit einem Vortrag von Großmeister Kang zum Thema „Form“ im traditionellen Taekwondo. Damit ist nicht nur die Hyong als Formenlauf gemeint, sondern Achtsamkeit in vielen Belangen. Die „Form“ zeigt sich u.a. im Respekt untereinander, in der äußeren Ordnung (z.B ein gepflegter Dobok), in der inneren Ordnung (z.B. Fokussiertsein, an sich arbeiten wollen), an der Gleichheit von Anfang und Ende einer Übung und, wie wir es im Laufe des Lehrgangs immer wieder praktiziert haben, an der korrekten Ansprache des Lehrers (Kyosahnim) und des Meisters (Sabumnim).

Im praktischen Lehrgangsteil wiederholten wir dann Hyongs im „normalen“ Ablauf, gespiegelt, gezählt oder als Frontvariante. Die allseits bekannte Kombination 1-8 (bis 14) wurde auf 20 ausgeweitet. Ebenso wiederholt wurden die zweite Kang-Center-Kombination, die drei Kampf-Kombis, Kombination 1-7.1 und 1-7.2, die erste Hälfte der Portland-Kombis, die Bein-Kombinationen, die 15 Grundtechniken sowie der Kang-Center-Einschrittkampf mit drei schnell-ausgeführten Angriffen.

Ein umfangreiches Programm also, viele Anregungen, ein intensives mentales und physisches Training, aber auch ganz viel Spaß und wieder einmal ein freundliches und ungezwungenes Treffen langjähriger Taekwon-Do-Weggefährten. Danke dafür!


Was macht einen Taekwon-Do-in aus?

von Fabian Z. | 2. Kup | Hamburg

Um diese Frage anzugehen, hat das Kang Center Hamburg am 01. März 2020 zu einem Lehrgang für seine Rot- und Schwarzgurte aus Berlin, Hamburg und Kiel eingeladen. Unter der Anleitung von Großmeister Kang Shin-Gyu ging es zwar auch um das körperliche Training und die Verinnerlichung der Techniken, doch beschäftigt uns hier nun etwas anderes. Die Frage danach, was einen Schüler zu einem Meister macht, ist scheinbar leicht zu beantworten. Die Antwort darauf lautet Achtsamkeit. Der Duden erklärt dieses Wort mit Begriffen wie „Interesse“ und „Konzentration“, aber auch „Genauigkeit“ sowie „Sorgfalt“. Schwerer ist es auf den Punkt zu bringen, wie jeder und jede Einzelne diese Aspekte umsetzen kann. Was bedeutet es also für Taekwon-Do-Trainierende, die „Taekwon-Do-in“, achtsam zu sein?

            Das fängt beim Äußeren an. Das Training beginnt nicht erst, wenn die Zeiger auf voll stehen und der Lehrer das Zeichen gibt. Der Umgang mit der eigenen Trainingskleidung und dem Taekwon-Do-Anzug, auch „Dobok“, ist schon Teil dessen, was uns ermöglicht zu trainieren. Den Anzug achtlos in die Tasche zu knüllen und danach eine Woche lang in eben jener Tasche zu vergessen, entsprechen nicht einem Taekwon-Do-in, mal ganz abgesehen von dem Geruch, den man sich damit einhandelt. Das Gebäude zum Trainieren, das „Dojang“, gehört auch dazu. Die Räume bieten die Möglichkeiten sich vorzubereiten, zusammenzukommen und letztendlich zu trainieren, weshalb auch diese mit Sorgfalt behandelt werden müssen. Das heißt nicht, dass man bei der kleinsten Falte des Anzugs oder dem kleinsten Staubkorn im Raum etwas auf die Finger kriegt, doch strebt ein Taekwon-Do-in danach, auf diese Dinge zu achten und die Kleidung sowie Räumlichkeiten zu respektieren. Ohne sie gäbe es das Training nur nackt und auf dem kalten Boden.

             Die Formen, „Hyong“ genannt, sind ein weiterer Pfeiler des Taekwon-Do. Sie sind eine Abfolge von Einzeltechniken, die im Lauf einen Kontext bekommen. Besonderes Augenmerk liegt auf den Hyongs, da sie die Form und die einheitliche Ausführung der Einzeltechniken wahren. Auch dienen sie dazu, Grundlegendes zu wiederholen. Denn wer grundlegende Techniken tausendfach wiederholt, kann anfangen sie zu verstehen. Wer tausend Dinge jeweils nur einmal übt, erhält am Ende nur einen Haufen komischer Bewegungen, denen die Genauigkeit fehlt. Die braucht es aber, um niemanden um sich herum und sich selbst nicht zu verletzen. Mit jeder Hyong, die man lernt, wird einem nämlich vom Meister das Vertrauen entgegengebracht, diese zu üben und an ihr zu lernen. So kann die Hyong dem Taekwon-Do-in helfen: „Wenn du achtsam bist, hältst du die Form. Und wenn du zerstreut bist, dann hält die Form dich.“ – Christoph Hatlapa

            Das nächste Element ist der Umgang von Lehrenden und Lernenden untereinander. Jedes Training beginnt auf die gleiche Weise. Der Gruß des Trainers, das heißt der Ruf „Chariot“, zusammen mit den Händen an den Körper, gibt das Zeichen bereit zu sein. Die Erwiderung des Höchstgraduierten, „Kyosahnimge“ oder „Sabumnimge“ für Großmeister Kang, zeigt, dass die Gruppe soweit ist. Dabei braucht die Gruppe nicht mit den Händen an die Oberschenkel zu klatschen, das Klatschen des Trainers dient nur dazu, die Aufmerksamkeit der Trainierenden zu erlangen. Nach den Rufen sind alle bereit. Die Konzentration ist im hier und jetzt. Genauso zeigt eine Einzelperson ihre Aufmerksamkeit, sobald sie angesprochen wird, um eine Technik zu demonstrieren. Schüler und Meister sind mit ihrer Aufmerksamkeit beieinander: Der Meister ruft den Namen des Schülers. Der Schüler antwortet mit „Kyosahnim“ oder “Sabumnim“. Beide bringen sich den Respekt entgegen, dass sie sich die Zeit für einander nehmen zu trainieren. Das ist ihre gemeinsame Aufgabe.

            Als letztes steht die innere Einstellung, die Einstellung sich selbst gegenüber. Wer sich fragt: „Wer sollte ich sein?“, der zielt darauf ab herauszufinden, was andere Menschen wie die eigene Familie, Freunde und auch Trainer von einem wollen können. Eine Antwort auf diese Frage ist jedoch nie von Dauer und die damit verbundene Motivation nie nachhaltig, da ein „Sollen“ immer von der äußeren Bewertung anderer abhängt. Viel entscheidender sind die Fragen: „Wer bin ich?“ und „Wer will ich sein?“, da sie darauf abzielen, sich selbst zu ergründen und das eigene Interesse zu finden. Wenn man weiß, wer man ist und das auch akzeptiert, dann ergibt sich daraus das eigene, intrinsische Wollen meist von ganz allein. Man muss sich erst kennenlernen und verstehen, um gezielt etwas ändern zu können und der Frage „Wer will ich sein?“ nachzugehen. Daraus kann sich eine nachhaltige Motivation ergeben, wenn das Handeln dem eigenen Wollen entspricht. Wenn der Trainingsplan mit dem übereinstimmt, wie man trainieren will, dann kommt die Motivation fürs Training von alleine. In dem Moment verwirklicht man sich selbst.

            Taekwon-Do ist somit nicht nur das körperliche Training, sondern auch ein Zusammenspiel von inneren Eigenschaften. Verständnis und Respekt sich selbst und seiner Welt gegenüber sind die Tugenden nach denen ein Taekwon-Do-in strebt. In den Trainingsstunden am 01. März war nicht immer auf Anhieb klar, wann etwas wie umgesetzt werden sollte. So klatschten die Hände doch manchmal an die Beine und das darauffolgende Schmunzeln von Meister und Schüler verriet: es geht nur darum zu zeigen, dass man es verstanden hat. Alles weitere braucht Zeit und Achtsamkeit.


Taekwon-Do Spezial Training: Standardrepertoire für Dan-Träger – Eindrücke aus Sicht eines Blaugurts

von Gregor B. | 4. Kup | Hamburg

Der Begriff Selbstreflexion steht für die Änderung der eigenen Position, um einen anderen bzw. übergeordneten Blickwinkel (Metaebene) einzunehmen und dadurch zu neuen Einblicken zu gelangen

Eines der vorrangigen Ziele des Taekwon-Do Spezials am 1.3.2020 war genau diese Selbstreflexion im Bezug auf das Standardrepertoire an Kombinationen, Techniken und Hyongs für Dan-Träger. 

Neben den Dan-Trägern wurde durch Großmeistern Kang auch weiteren Schülern (mit Kup 1 bis 4) die Teilnahme an dem Taekwon-Do Spezial ermöglicht. Für mich als Schüler mit 4. Kup war dies eine sehr gute Gelegenheit den hoffentlich vor mir liegenden Weg genauer abstecken zu können. Das genaue Anforderungsprofil zum Erreichen des 1. Dan wird für jeden Schüler individuell im Rahmen seiner Möglichkeiten festgelegt, jedoch ermöglichte das Taekwon-Do Spezial einen guten Einblick in die üblichen Anforderungen. Diverse Kombinationen, Techniken und Hyongs wurden während des Trainings absolviert und dadurch konnte ich recht gut meinen aktuellen Stand hinsichtlich des Standardrepertoires einordnen.

Viele Teilbereiche sind mir bereits ins Muskelgedächtnis übergegangen, einige Teilbereiche waren mir zwar bekannt, jedoch noch nicht ausreichend gefestigt und andere wenige Teilbereiche wie z.B. die zweiten 7er Kombinationen waren mir bisher gänzlich unbekannt und haben meine Vorfreude geweckt, diese in Zukunft zu erlernen. Neben dieser Standortbestimmung hat mir vor allem gefallen, dass mit dem Ansatz, die Lehrinhalte zu Modularisieren, die Sicherung eines hohen Qualitätsniveaus auch bei unterschiedlichen Übungsleitern angestrebt wird. So kann auch bei steigender Anzahl von Dan-Trägern die individuelle Erfüllung der Anforderungen leichter sichergestellt werden. Neben der Modularisierung gefällt mir auch der offene Ansatz, die bestehenden Module zu erweitern. So wurde aus der ersten 7er Kombination spontan im Training durch eine weitere Form eine 8er Kombination. Dies führt natürlich zu der Frage: Bleibt die zweite 7er Kombination noch die zweite oder wird sie zur ersten 7er Kombination? So oder so bleibt die Vorfreude auf die für mich neuen Kombinationen.

Ein weiterer Fokus des Spezial Trainings lag auf Formen im Sinne von Verhaltensweisen im Umgang im Dojang. Themen wie die höfliche Ansprache des Übungsleiters, der Gruß des Übungsleiters am Anfang der Stunde, sowie die Kommunikation zwischen Übungsleiter und Schüler wurden besprochen. Als Beispiel sei hier die klare Bestätigung bei der individuellen Ansprache eines Schülers oder einer Teilmenge der Schüler in Form eines “Kyosahnim” oder “Sabumnim” genannt. “Kyosahnim” lässt sich wörtlich grob mit “Frau Lehrerin“oder  „Herr Lehrer” übersetzen und wird bei Meisterschülerinnen und Meisterschülern bis einschließlich 4. Dan verwendet. “Sabumnim” bedeutet wörtlich übersetzt “Frau Lehrmeisterin“ oder „Herr Lehrmeister”. Da sich in Deutschland eingebürgert hat, jeden Schwarzgurt ab dem 1. Dan als „Meister“ zu bezeichnen wird “Sabumnim” im Kang Center allerdings eher in der Bedeutung der deutschen Bezeichnung des Großmeisters interpretiert und wird daher bei Großmeister Kang angewendet.

Während des Trainings wurde durch unterschiedliche Situationen deutlich, dass auch in dieser eigentlich klar definierten Kommunikation viel Spielraum für die Übermittlung unterschiedlicher Botschaften steckt. So kann sich nur durch die unterschiedliche Aussprache eines identischen Wortes die kommunizierte Botschaft vollständig verändern: 

  • Entschlossenheit  “Sabumnim!”, 
  • Unsicherheit “Sabumnim”
  • oder eine fragende Rückantwort “Sabumnim?”; 

drei vollständig unterschiedliche Botschaften bei identischer Wortwahl. 

Sowohl beim Standardrepertoire als auch bei den Verhaltensweisen bleibt die immer wieder überraschende Erkenntnis, dass eigentlich klar abgegrenzte Aspekte (Standardrepertoire / Bestätigung der Ansprache durch den Schüler) trotz der klaren Definition stets individuell betrachtet werden müssen, um die jeweilige Situation, die jeweiligen Fähigkeiten und die jeweilige Beziehung zwischen den Agierenden zu berücksichtigen und so eine individuelle Interpretation zu erzielen.

Vielen Dank an Großmeister Kang für diesen Ein- und Ausblick und den sehr angenehmen Ausklang beim gemeinsamen Essen nach dem Training.

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